Ann Kathrin Saul hat eine spannende Reise unternommen hat – sie ist den Te Araroa in Neuseeland gewandert und hat über ihre Tour ein Buch geschrieben. Ich habe mich mit Anka getroffen und über ihre Reise, ihr Buch und unsere gemeinsame Leidenschaft Neuseeland gesprochen.

Te Araroa – Interview mit Ann Kathrin Saul

Hallo Ann Kathrin, erzähle doch kurz etwas über Dich und wie Du darauf gekommen bist, nach Neuseeland zu reisen.

Hi Laura. Die meisten nennen mich übrigens Anka, was ja eigentlich gut zum Norddeutschen (Anker) passt. Allerdings bin ich gar nicht wirklich so „verankert“ bzw. war es immer nur streckenweise, bis es mich wieder in die Ferne zog. Eine unerklärliche Anziehung hatten schon immer Australien und Indien auf mich. Dem Ruf nach Down Under folgte ich nach dem Abi für 9 Monate, Work & Travel. Indien musste bisher noch warten, stattdessen schob sich ein viermonatiges Praktikum in Mexiko dazwischen. Nach Neuseeland wollte ich eigentlich schon seit meines Australien-Aufenthaltes, aber damals hatte ich es wegen des Studium-Beginns nicht „rüber“ geschafft und danach hat es sich lange nicht ergeben. Es musste anscheinend schon etwas Gewaltiges passieren, um mich an das schönste Ende der Welt zu bringen… Das Ende meiner Welt ereignete sich 2014/15, als meine Mutter starb und keine sechs Monate später die Ehe mit der Liebe meines Lebens in die Brüche ging. Kurz davor hatte ich den Film „Der große Trip“ mit Reese Witherspoon gesehen: eine wahre Geschichte einer jungen Amerikanerin, die 1995 eine ähnliche Geschichte wie ich erlebt hat und ohne Vorbereitung den Pacific Crest Trail in den USA gewandert ist. Ich fühlte sofort, das war meine einzige Möglichkeit mein gebrochenes Herz zu heilen und meine Lebensfreude wiederzufinden. Ich googelte noch in der selben Nacht, an dem meine Ehe in die Brüche ging, nach Fernwanderwegen weltweit. Mir war klar, ich musste weit weg. Auf die Südhalbkugel. Ich fand eine Beschreibung des „Te Araroa“, Neuseelands noch junger Fernwanderweg. Er klang wie für mich gemacht!

Te Araroa
Impressionen des Te Araroa – Quelle: Ann Kathrin Saul

Wie genau sah deine Reisevorbereitung aus? Hast Du Dich Wochenlang auf die Reise vorbereitet oder hast du den Trip eher spontan unternommen?

Von der Trennung bis ich am Startpunkt des Te Araroa stand vergingen gerade mal zwei Monate. Da blieb nicht viel Zeit zum Vorbereiten zumal ich dabei war, mein ganzes Hab und Gut zu verkaufen. Zum Glück leistet der Te Araroa Trust wahnsinnig gute Arbeit und das Einzige, was ich vorbereitend für den Trail tat, war die GPS-Daten und die ausführlichen Trail-Notizen und Karten von deren Website zu laden. Ausrüstungsmäßig hatte ich das meiste schon. Zwar nicht perfekt wie z.B. das Zelt, welches für zwei Personen und damit eigentlich zu schwer war, aber das war mir – wie alles andere – egal. Ich buchte den frühstmöglichen Flug mit offenem Rückflug und beantragte mein Visitor’s Visum, welches für 9 Monate gilt. Ein paar Dehnübungen – ich hatte glaub ich noch nicht erwähnt, dass ich Physiotherapeutin bin, also von daher meine Schwachpunkte kenne – und das war’s an Vorbereitung!

Te Araroa
Impressionen des Te Araroa – Quelle: Ann Kathrin Saul

Welche Route bist du gewandert?

Der offizielle Startpunkt des Te Araroa ist Cape Reinga im Norden der Nordinsel. Dort bin auch ich losmarschiert. Bis ich in Bluff im Süden der Südinsel ankam… Man kann den Trail auch „northbound“, also nach Norden wandern, aber die meisten wandern ihn südwärts aufgrund der jahreszeitlichen Gegebenheiten. Der Te Araroa führt einmal der Länge nach durch Neuseeland und verändert sich im Laufe der Jahre ständig. Als ich ihn gewandert bin, betrug seine Länge etwas mehr als 3000 km. Mittlerweile liegt er, meine ich, bei rund 3040 km.

Hattest Du von Anfang an vor den gesamten Trail zu gehen?

Nicht wirklich. Ich hatte großen Respekt vor dem schweren Rucksack und den doch sehr abgelegenen Gegenden mit wilden Flüssen. Zunächst habe ich mir vorgenommen, „nur“ die Nordinsel zu gehen, also in Wellington zu entscheiden, ob es genug war. Denn bis nach Wellington zu kommen , 1600 km zu Fuß hinter sich zu legen, das fand ich schon sehr beeindruckend und wusste nicht, ob das so ohne Vorbereitung möglich wäre. Und sollte ich es nach Wellington schaffen und dann entscheiden, dass es reicht, würde es sich nicht anfühlen wie abbrechen, fand ich damals. Aber als ich die ersten paar Tage auf dem Te Araroa gewandert bin, war für mich gleich klar: Ich will auch nach Bluff! Der Trail hat etwas Magisches und er hat mich vom ersten Tag an infiziert.

Bist du in einer Gruppe gewandert oder warst du überwiegend allein unterwegs?

So und so. Also ich bin alleine gestartet und alleine angekommen. Auf der Nordinsel waren insgesamt nicht viele andere Wanderer anzutreffen – ich würde schätzen insgesamt 9 und die auch erst weit südlich. Am dritten Tag habe ich einen coolen 67-jährigen Amerikaner getroffen. Wir sind nicht Seite an Seite gegangen, aber haben uns irgendwie immer abends wieder zusammen gefunden, um gemeinsam eine Stelle zum Wildcampen zu finden. Oder wenn es kniffelige Passagen gab. Ich habe sehr von seiner Erfahrung profitiert – er ist das Jahr davor den Appalachian Trail in den USA gegangen – aber auch ohne ihn fühlte ich mich nie unsicher in Neuseeland.

Auf der Südinsel waren dann viel mehr TA-Wanderer und ich bin ca. die Hälfte der Insel mit anderen gegangen. Ab Lake Tekapo hat mich dann aber wieder die Einsamkeit des Trails gereizt und ich bin bis Bluff alleine gegangen, auch wenn ich immer mal wieder auf alte Bekannte gestoßen bin.

Was hat dich auf deiner Reise am meisten fasziniert? Gibt es ein Highlight von dem Du uns berichten möchtest?

Ich glaube die Mentalität der Neuseeländer. Aber ich finde es schwierig zu sagen… In fünf Monaten auf dem Trail und vier Monate nach dem Trail kommen viele besondere Eindrücke zusammen. Jeder Tag war anders und jeder Tag war besonders. Eine traumhafte Landschaft jagte die nächste. Trotzdem war einer der „mir-stockt-der-Atem-Momente“ in den Richmond Ranges: Ich wanderte gerade frühmorgens mit meiner Trail-Freundin Lindsay aus den USA durch eine dichte Wolkenwand zu einem Gipfel hoch. Auf einmal stolperten wir aus dem dichten Nebel raus, standen am Gipfel in der Sonne und blickten wie aus einem Flugzeug auf ein weißes Wolkenmeer unter uns, aus dem die umliegenden Gipfel wie kleine Inseln herausragten. Das war unglaublich beeindruckend und majestätisch.

Te Araroa
Ann Kathrin Saul auf dem Te Araroa – Quelle: Ann Kathrin Saul

Du hast deine Erfahrungen in deinem Buch niedergeschrieben. Was erwartet den Leser?

Ja, das ist richtig. Wenn mir diese Frage gestellt wird, sage ich eigentlich immer: Es ist einerseits eine Tag-zu-Tag-Erzählung meiner Abenteuer auf dem Trail sowie meine Liebeserklärung an Neuseeland. Andererseits zeigt es meinen emotionalen Verarbeitungsprozess. Einer meiner Patienten nannte es auch „emotionalen Striptease“. Nunja, da das Buch halt all diese verschiedenen Bereiche abdeckt, ist es nicht nur für Fernwanderer bestimmt, sondern für Neuseeland-Liebhaber, Leute mit Fernweh oder aber auch für Menschen nach einem Schicksalsschlag interessant. Man lernt viel über die Kultur, Geschichte, Fauna und Flora des Landes. Zudem lernt man meine Freunde auf und neben dem Trail kennen und bekommt das Gefühl Schritt für Schritt an meiner Seite zu wandern. Ich habe das Buch vorwiegend für mich geschrieben und habe dabei noch einmal deutlich gesehen, was ich Großartiges geschafft und wie viel ich dabei gelernt habe. Andererseits habe ich es u.a. für meine Patienten geschrieben: Sie alle befinden sich auf einem „langen Weg“ (der Genesung), denn das bedeuten die Maori-Worte „Te Araroa“. Ich wollte sie und andere Menschen motivieren und inspirieren, indem ich zeige, wozu Menschen fähig sind, wenn man einen Schritt nach dem anderen nimmt.

Fremdes Neuseeland: Te Araroa - Der lange Weg von Ann Kathrin Saul

Te Araroa

In ihrem Buch „Te Araroa – Der lange Weg“ beschreibt Ann Kathrin Saul ihre Reise durch Neuseeland. Auf dieser Tour verarbeitet Ann Kathrin Schicksalsschläge, die sie innerhalb kürzester Zeit verarbeiten musste. Absolut lesenswert!

Dein Fazit zu Neuseeland! Weshalb sollte man unbedingt einmal im Leben nach Neuseeland reisen?

Für mich sind die Bewohner eines Landes ein extrem großer Faktor für meinen Gesamteindruck. Und da punkten Neuseeland und die Kiwis auf ganzer Länge. Ich habe noch nie ein so durchweg herzensgutes, entspanntes und hilfsbereites Volk getroffen. Man fühlt sich vom ersten Moment an willkommen, auch wenn man vielleicht niemanden vor Ort kennt. Aber das ändert sich schnell, wenn man es zulässt. Und dann ist da natürlich die Landschaft… Neuseeland hat einfach alles! Die schönsten, karibisch anmutenden Sandstrände, atemberaubende Bergkulissen, Dschungel, unendlich weite Schafwiesen, Glühwürmchen-Höhlen, Hobbits, Kiwis und und und. Ich könnte ja ewig so weiter machen, aber das würde den Rahmen des Interviews sprengen. Das muss man sich einfach selbst angucken. Also ab ans schönste Ende der Welt!

Te Araroa
Mein Treffen mit Ann Kathrin Saul

Liebe Anka! Herzlichen Dank für unser nettes Interview! Man merkt förmlich wie du für Neuseeland brennst! Wir hatten die Möglichkeit, Dein Buch zu lesen und unser Fazit: Ein tolles Buch für jeden Neuseeland-Fan!

Wie hat dir dieser Artikel gefallen?
Shares

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hinweis zu Cookies

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um dir die Nutzung unserer Webseiten zu erleichtern und dir – im Einklang mit deinen Browser-Einstellungen – Werbemitteilungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseiten erklärst du dich mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies kannst du bitte unserer Datenschutzerklärung entnehmen.

Mehr Informationen OK