Typische Gerichte und Lebensmittel sind ein wichtiger Bestandteil der Kultur eines Landes. Gerade wenn ich auf längeren Reisen bin, macht es mir unglaublich viel Spaß, in die kulinarische Welt eines fremden Landes einzutauchen, mich durch unbekannte Früchte, Gewürze und Gerichte zu futtern und so die Essgewohnheiten anderer Menschen kennenzulernen.

Obwohl Neuseeland am anderen Ende der Welt liegt, ähnelt der Ess-Alltag auf dem Inselparadies dem unseren in vielerlei Hinsicht. Ein Großteil der Bevölkerung Neuseelands ist europäsicher Herkunft, deswegen werden hier viele uns bekannte Speisen aufgetischt, auch im Supermarkt dürftest du wenig Bekanntes aus Europa vermissen.

Dennoch gibt es einige Unterschiede zwischen Neuseelands Essgewohnheiten und denen in Deutschland.

In diesem Artikel möchte ich interessante Beobachtungen mit dir teilen, die ich zum Thema Essen während meiner Zeit in Neuseeland gesammelt habe.

Essen in Neuseeland – der grundsätzliche Trend

Saisonal essen

Im Grunde genommen ist das Essen in Neuseeland dem in Deutschland sehr ähnlich.

In neuseeländischen Familien landet viel Gemüse und auch Fleisch im Topf. Neuseelands Landwirtschaft und der Export von Obst, Gemüse, Milchprodukten und Wein boomt. Im milden Klima der Nordinsel gedeiht praktisch jede essbare Pflanze wunderbar. Die Neuseeländer haben deshalb das Glück, sich zum Großteil von national produzierten Lebensmitteln ernähren zu können. Tomaten, Avocados, Süßkartoffeln, Kiwis, Orangen – alles landet erntefrisch in den Läden und bald darauf auf dem heimischen Tisch.

Oft schwankt der Preis für ein und das selbe Produkt drastisch, abhängig davon, ob gerade die Erntezeit ansteht, oder nicht. Es bietet sich also an, möglichst viel saisonal zu essen. Im Frühsommer und Sommer (Ende November bis Februar) hast du die größte Auswahl. Jetzt sind Orangen und Mandarinen, Avocados und Beeren reif. Kiwis werden „direkt um die Ecke“ gepflückt und in den lokalen Supermärkten häufig sogar in Kilo-Säcken verkauft – für den Bruchteil des Preises, den wir in Deutschland für die weit gereisten Pelzfrüchte zahlen!

Zum Teil ist es eine richtige Herausforderung, das eigene Einkaufsverhalten umzustellen und z.B. Avocados und Kiwis, die bei uns als delikate Exoten gehandelt werden, in größeren Mengen in den Einkaufskorb wandern zu lassen. Mich hat es zu Beginn etwas Zeit und Kraft zum Umdenken gekostet, im Supermarkt nicht nach deutscher Manier zu den bewährten Äpfeln und Birnen zu greifen. Orangen bekommst du im Sommer sehr viel günstiger!

Gesund essen

„Healthy eating“ ist ein Ess-Trend, der in immer mehr neuseeländischen Haushalten Einzug hält. Das bedeutet, das so fett- und kohlenhydratarm wie möglich gegessen wird. Weißmehl, Milchprodukte und vor allem Nahrungsmittel wie Fruchtjoghurt oder Nudelsaucen, die es fertig im Laden zu kaufen gibt, werden aus dem Speiseplan gekickt.

Dieses bedachte Essen hat einen guten Grund. In Neuseeland werden, ganz nach amerikanischem oder auch britischem Vorbild, viele Lebensmittel stärker vorbehandelt als bei uns. Übermäßig viel Zucker in Joghurts und Fruchtsäften, Backwaren mit einer endlosen Liste an Zusatzstoffen und viel Fett können beim Einkaufen zu einer richtigen Hürde werden. Oft sind gerade die günstigen Artikel im Supermarkt die ungesündesten. Mein Tipp: Koche so viel wie möglich selbst und kaufe z.B. Naturjoghurt, den du selbst süßt.

Selbstgepflanztes essen

Vielleicht liegt es an der dünnen Besiedlungsdichte des Landes, dem vielen Platz, oder auch einfach an der Liebe der Neuseeländer zur Natur: Selbst ernten steht in Neuseeland ganz hoch im Kurs!

Fast jede Familie, sowohl in den Städten als auch auf dem Land hat mindestens einen Obstbaum im Garten stehen. Hühnereier aus dem eigenen Stall, Spinat und Kartoffeln aus dem selbst angelegten Beet und manchmal sogar eigene Kühe sind keine Seltenheit. Zur Erntezeit hast du oft das Glück, hier eine Zitrone geschenkt und da eine Orange zugesteckt zu bekommen. Es ist ja genug da! Wenn du nach einem Thema fürs Gespräch mit einem Neuseeländer suchst: Über den eigenen Garten könnte so mancher Kiwi sich stundenlang mit stolzgeschwellter Brust auslassen!

Die Sache mit dem Brot

Genauso wie in Amerika, Großbritannien und Kanada ist auch in Neuseeland das Thema Brot ein leidiges Thema. So sehr ich meine Zeit in Neuseeland genieße, ein ordentliches Krustenbrot vermisse ich doch sehr. Mehr als geschmacksarmes Weizentoastbrot findest du in Neuseeland leider selten. Kein Wunder deshalb, dass das Nahrungsmittel Brot generell als ungesundes Fastfood verpönt ist. Nach Roggen- oder Dinkelbrot sucht man vergeblich. Einzig auf Märkten und in einigen Bäckereien werden neben Weißbrot auch dunklere Sorten mit Kruste angeboten.

Was du in Neuseeland unbedingt probieren solltest

Trotz unserer praktisch lückenlos globalisierten Welt haben es einige neuseeländische Leckereien (noch) nicht bis auf die deutschen Esstische geschafft.

Wenn du in Neuseeland bist, solltest du diese besonderen Spezialitäten unbedingt probieren!

Feijoa

Ob als Tee, Kompott, Marmelade oder roh: Die Neuseeländer lieben ihre Feijoas! Die ursprünglich aus Brasilien stammende kleine grüne Frucht gedeiht prächtig in Neuseeland.

Die Feijoa wird im deutschen Sprachraum brasilianische Guave oder Ananas-Guave genannt. Zugegeben, das herbe Aroma der Feijoa ist nicht jedermanns Sache, probieren solltest du sie aber auf jeden Fall, und zwar in so vielen Zubereitungsvarianten wie möglich. Roh schmeckt die Frucht ganz anders als gekocht, als Bestandteil eines Kuchens hat sie eine andere Wirkung als pur.

Pavlova

Mein absolutes Must-eat – das Aushängeschild neuseeländischer Desserts ist Pavlova.

Ein(e) Pavlova lässt sich am ehesten als Baiser-Torte beschreiben. Eine luftig leichte, süße Masse, der mit Schlagsahne und frischen Früchten der letzte Schliff gegeben wird. In Neuseeland wird Pavlova in vielen Varianten genossen, am beliebtesten ist jedoch der Klassiker mit Kiwis und Erdbeeren als Topping.

Hmmm – zum Reinsetzen!

Pavlova“ (CC BY 2.0) by AnneCN

Kumara

Die Kumara, die neuseeländische Süßkartoffel, galt schon vor Jahrhunderten als Grundnahrungsmittel der Maori und ist aus keiner neuseeländischen Küche wegzudenken. Es gibt drei verschiedene Sorten, die sich in Farbe und Geschmack unterscheiden.

Als beliebte Beilage zu verschiedenen Gerichten hat die Kumara in Neuseeland die „normale“ Kartoffel fast komplett vom Feld verdrängt!

Christmas Cake

Diesem klassischen Weihnachtskuchen schmeckt man seine britische Herkunft an. Saftig, süß und schwer kommt dieser mit Trockenfrüchten gespickte Gewürzkuchen daher. Ab Anfang November füllen sich die Regale der Supermärkte mit Christmas Cakes und in den Familien wird schonmal auf Vorrat gebacken. Der Weihnachtskuchen hält sich lange und wird oft als weihnachtliche Aufmerksamkeit an Freunde und Verwandte verschenkt.

Lemonade

Die Lemonade ist eine Frucht – und meines Erachtens nach eine absolut geniale Erfindung!

Schluss mit Grimassenschneiderei! Die Lemonade ist eine Kreuzung aus Orange und Zitrone. Äußerlich sieht sie aus wie eine Zitrone – und schmeckt auch wie eine, ist aber süß, wie eine reife Orange. Die Lemonade wächst vor allem im Northland-District der Nordinsel Neuseelands . Bereits  einige hundert Kilometer weiter südlich ist die Lemonade längst nicht mehr so bekannt.

Ich hoffe, dir hat dieser kleine Ausflug in Neuseelands kulinarische Welten gefallen.

Viel Spaß beim Durchprobieren!

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Ein Kommentar

Charlotte Goes New Zealand – Weihnachten im Hochsomme | melting elements Blog

[…] Hoch im Kurs stehen bei den Neuseeländern neben den Barbeques am Strand auch kalte Salatbuffets – genau das Richtige für einen heißen Sommertag. Zum Dessert gibt es häufig einen leckeren traditionellen Christmas Fruit Cake. Der unangefochtene Dessertkönig auf der Festtafel ist aber Pavlova! […]

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